Presse

Zwei intensive Tage mit „AHA- Effekt“

Gewächshaus - Viersen
15.11.2015
Gewächshaus - Viersen

„Rütteltest“ so nennt Peter Neuwald, Dozent vom Institut Gründungsoffensive, die Runde, bei der die Teilnehmer die Geschäftsidee des jeweils anderen hart hinterfragen dürfen. Wer in diesem Test Antworten liefern kann und sich von den verschiedenen Meinungen nicht schnell in seiner Überzeugung verunsichern lässt, hat eine wichtige Voraussetzung für den Weg in die Selbstständigkeit schon erfüllt. Eine Idee, an der es nichts zu rütteln gibt und den Willen diese erfolgreich umzusetzen.

Das Eis ist gebrochen

An diesem Wochenende waren es fünf Frauen und fünf Männer, alle aus der umliegenden Region, die sich zum „Durchrütteln lassen“ im Gewächshaus angemeldet hatten. Bereits in der Vorstellungsrunde brach das Eis. Die potentiellen Gründer und Jungunternehmer erzählten offen von ihrem eigenen Hintergrund und wie daraus das jeweilige Vorhaben entstand. „Erfahrungsgemäß motiviert und bestärkt diese Gruppendynamik entscheidend den Prozess der Selbstständigkeit, da es meistens im direkten sozialen Umfeld der Gründungsinteressenten keinen entsprechender Austausch gibt. Im Gegenteil: Oft wird ihnen durch Bekannte und Verwandte eher Angst gemacht, statt Mut.“ So beschreibt Peter Neuwald den positiven Effekt der Runde. Unmittelbar danach stand dann die jeweilige Persönlichkeit  im Vordergrund der Betrachtung. Eine der wichtigsten Grundlagen des Erfolges für Peter Neuwald. Unter anderem konnten sich die Anwesenden einem "Unternehmer-Selbsttest" unterziehen, um zu erfahren, ob sie die idealen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit mitbringen. Anschließend wurden die Gründungsideen und die damit verbundene Frage: "Was unterscheidet gute Ideen von weniger erfolgversprechenden?" gemeinsam erörtert. Hier bekamen die Gründer etliche Hinweise, um die eigene Idee auch einmal mit den Augen ihrer künftigen Kunden zu betrachten: Besonders dieser Perspektivenwechsel war ein Auslöser für den ein oder anderen "Aha-Effekt" in der Gruppe. Dazu, sowie zu dem erwähnten Rütteltest, erhielten, die Teilnehmer zahlreiche Anregungen und Feedback sowohl vom Dozenten als auch von den eigenen Mitstreitern.

GmbH oder Freelancer?

Informationen über unterschiedliche Gründungs- und Rechtsformen lösten die Gespräche über Ideen und Persönlichkeit ab. Hier konnte jeder der Teilnehmer für sich erkennen, ob der ideale Einstieg besser als Freiberufler oder Gewerbetreibender, im Haupt- oder Nebengewerbe erfolgt und welche Konsequenzen sich jeweils daraus ergeben. Auch die Alternativen der Unternehmensübernahme, des Franchising oder unterschiedlicher Kooperationsformen mit entsprechenden Rechtsformen wurden erklärt. Doch, so Peter Neuwald, um überhaupt zu erfahren, ob man mit seinen Vorstellungen auf dem Markt ankommt, sollte vorweg immer eine Marktanalyse erfolgen. Wie das aufgrund der gegebenen Umstände konkret gemacht werden kann, wurde ebenfalls lebhaft diskutiert und der eine oder andere "Trick" verraten. Darüber hinaus spielt je nach Konzept der richtige Standort eine mehr oder weniger wichtige Rolle für den Erfolg.

Businessplan, Buchführung und Finanzplanung sind ein Muss!

Weitere Themen auf der Agenda waren: Bedingungen für die Personalauswahl, "Scheinselbstständigkeit", Risikovorsorge in Form von unterschiedlichen (notwendigen oder sinnvollen) Versicherungen (privat und betrieblich) und die Zahlen, die in einem Businessplan darzustellen sind.

Da die Umsatz-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung Gründern erfahrungsgemäß besonders schwer fallen, wurden diese Daten einmal grundsätzlich geklärt. Für Peter Neuwald unabdingbar: „Ein schlüssiges Zahlenwerk entscheidet schließlich darüber, ob bei Vorlage entsprechender anderer Voraussetzungen das Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist, und der arbeitslose Gründer eine Chance auf Gründungszuschuss hat. Auch jede Bank verlangt für die Fremdkapitalfinanzierung diese Darstellung.“

Abgerundet wurde die Fülle der Informationen mit Erläuterungen zur gesunden Preiskalkulation, dem richtigen Auftritt bei der Bank, der Kapitalversorgung und vor allem zu Förderinstrumenten und -darlehen. Dazu gehören unter anderem auch der Gründungszuschuss und das Einstiegsgeld durch Arbeitsagentur und Jobcenter. Und, Wer noch individuellen Hilfebedarf hat, kann auch die aktuelle Beratungsförderung nutzen. Genauso wichtig sind die Bereiche Buchführung und Steuern. Hier wurde erklärt, wie die Teilnehmer für den Anfang ihre eigene Einnahmen-/Überschussrechnung machen können, was überhaupt der Unterschied zwischen einfacher und doppelter Buchführung ist, wie eine gesetzeskonforme Rechnung aussehen muss und viele Dinge mehr. In den Pausen sorgten die Organisatoren des Gewächshauses dafür, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt war und die Teilnehmer sich rundum wohlfühlten.

Nach zwei anregenden und anstrengenden Tagen war es geschafft: Neben weiterführenden Unterlagen und einem Excel-Tool zur Finanzplanung erhielten die Seminarbesucher ihr Teilnahmezertifikat. Dieses kann als betriebswirtschaftliche Fortbildung nützlich sein für die Arbeitsagentur oder für gegebenenfalls benötigte Bankendarlehen. Viele Teilnehmer nutzten auch die Möglichkeit, um unter den Anwesenden erste Netzwerke zu bilden und sich so gegenseitig weiterhin zu unterstützen.

Über das Gewächshaus

Im Mai 2002 wurde das Gewächshaus von der Stadt Viersen eröffnet. Seit 2004 hat der Verein  „Gewächshaus  für  Jungunternehmer  e. V.“  die  Trägerschaft  übernommen. Vorsitzender  des  Fördervereins  ist  Paul  Mackes.  Das  Gewächshaus  bietet Existenzgründern im Dienstleistungsbereich günstige Bedingungen für die Startphase an. Standort ist die denkmalgeschützte, der Stadt gehörende, evangelische Schule Am Alten Gymnasium mitten im Zentrum von Viersen. 11 Büros zwischen 25 und 60 Quadratmetern werden zu einem günstigen Mietzins vermietet. Neben einer intensiven Betreuung durch die  städtische  Wirtschaftsförderung  werden  Kontakte  zu  den  Partnern  des Gewächshauses gefördert. Wer in das Gewächshaus einziehen möchte, darf nicht länger als  zwei  Jahre  auf  dem  Markt  sein  und  muss  sich  mit  einem  Konzept  bei  einem  Beirat, bestehend aus sechs Mitgliedern des Trägervereins und sechs städtischen Ratsvertretern, bewerben. www.gewächshaus-viersen.de

Den Original-Artikel finden Sie beim Gewächshaus Viersen.

 

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