Presse

Gutes Gründungsklima

Rheinische Post
08.02.2012
Rheinische Post

KEMPEN Das im „DIHK-Gründungsreport 2011" festgestellte positive Gründungsklima setzte sich auch im laufenden Jahr weiter fort. So war es auch bei den Existenzgründungsseminaren im Technologiezentrum Niederrhein (TZN) in Kempen in Kooperation mit dem Startercenter für den Kreis Viersen festzustellen. 98 Teilnehmer absolvierten die zwei- bis dreitägigen Existenzgründungsseminare, die mit einem von etlichen Arbeitsagenturen geforderten Teilnahmezertifikat abschlossen. Das war sogar eine leichte Steigerung zum Vorjahr. Grund war die zunehmende Etablierung der Veranstaltung, so dass Gründungsinteressenten auf vielfache Empfehlung ins TZN Kempen fanden.

Der größte Teil der Gründung erfolgte mit dem Förderinstrument des Gründungszuschusses. Dieses Förderinstrument ist nun nach langer Anlaufphase mit etlichen Unsicherheiten reformiert worden. Für Gründungsinteressenten stellt sich in 2012 die Frage nach den aktuellen Voraussetzungen, um den Zuschuss weiterhin nutzen zu können. Der Gründungszuschuss wird von einer Pflicht- in eine Ermessensleitung umgewandelt.

Bislang war die Agentur verpflichtet, den Gründungszuschuss zu bewilligen, wenn der Gründungswillige die formellen Anforderungen erfüllte. Nunmehr müssen Interessenten noch über einen ALG I-Restanspruch von 150 statt bislang 90 Tagen verfügen. Die erste Förderphase dauert zukünftig sechs statt wie bisher neun Monate, die zweite Phase neun statt bislang sechs Monate. Alle anderen Voraussetzungen bleiben bestehen. Die letzte Entscheidung zur Bewilligung des Gründungszuschusses liegt aber nunmehr im rechtlich schwer überprüfbaren Ermessen der Vermittler der Arbeitsagentur.

Schlechte Vorbereitung

Auch künftig ist zu erwarten, dass wer eine gute Geschäftsidee hat und entsprechend gut vorbereitet ist, sich mit oder ohne Förderung durch Gründungszuschuss selbständig machen wird. Will man weiterhin gefördert gründen, wird aber nun vermehrter Wert auf eine nachgewiesene Vorbereitung der Selbständigkeit gelegt. Denn statistisch erwiesen ist ein deutlich häufigeres Scheitern von schlecht vorbereiteten Unternehmen gerade in den ersten Jahren.

Dabei mangelte es weniger an Fach- und Branchenkenntnis, als vielmehr an kaufmännisch unternehmerischen Fähigkeiten. Diese sind künftig bereits in einem gut vorbereiteten Ersttermin bei der Arbeitsagentur nachzuweisen. Bekanntlich gibt es für den ersten Eindruck keine zweite Chance. Dort können im Rahmen einer sogenannten „Eingliederungsvereinbarung" die Weichen in Richtung Selbständigkeit mit Gründungszuschuss oder aber in Richtung Stellenvermittlung ohne Gründungszuschuss gestellt werden.

Wegen der Kürzungen der Haushaltsmittel ist mit restriktiver Gewährung von Gründungszuschuss zu rechnen, insbesondere wenn der Arbeitssuchende vorrangig in eine neue (unselbständige) Anstellung vermittelt werden kann. Mit frühzeitiger professioneller Hilfe kann ein selbstbewusst auftretender Gründer seine garantierten Rechte sicher eindringlicher und plausibler vertreten und bekommt damit eher das, was er erreichen will.

INFO
Businessplan

Auch der Businessplan und insbesondere der Zahlenteil werden von der Arbeitsagentur inzwischen deutlich strenger unter die Lupe genommen. Bisher hat so mancher Gründer einen standardisierten Businessplan irgendwo aus dem Internet heruntergeladen, kopiert, geringfügig angepasst und konnte damit durchkommen. Künftig muss er ein Konzept vorlegen, das einerseits keinen Zweifel an der Tragfähigkeit der Gründung hervorruft und andererseits nicht zu zeitige und hohe Einnahmen darstellt, was ebenfalls Zweifel an der Fördernotwendigkeit mit Gründungszuschuss aufkommen lässt.

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