Presse

Mit Hund und Haaren

Neue Rhein Zeitung
17.11.2011
Neue Rhein Zeitung

von Christiane Dase

Hamminkeln. Wie eine typische Friseuse sieht Hanne Störmer nicht gerade aus. Statt einer hippen Frisur trägt die 32-Jährige einen unkomplizierten Kurzhaarschnitt. Manikürte Fingernägel? Fehlanzeige! Ihre Hände sind die einer Frau, die zupacken kann – einer Frau, die Pferdeställe ausmistet und gerne im Garten in der Erde gräbt. Dass eine wie sie einmal die Schere zur Hand nimmt, um Haare zu schneiden – das hätte Hanne Störmer bis vor Kurzem selbst nicht geglaubt.

Die junge Frau hat Agrarwissenschaften studiert; wollte 2006 nach ihrem Abschluss in den öffentlichen Dienst. Weil sie da aber keinen Job fand, beschloss sie, sich mit einem eigenen Friseursalon selbstständig zu machen.

Ein Hundesalon? Keine schlechte Idee!

Eine typische Friseuse ist Hanne Störmer trotzdem nicht: Seit Anfang November wäscht, schneidet, rasiert und kämmt die quirlige Frau aus Hamminkeln ausschließlich eines: Hundehaare. „Ich habe selbst zwei Hunde und arbeite gerne mit Tieren“, sagt sie und bürstet ihrer Münsterländerdame Lucy das braune Fell. Von einer Freundin weiß sie, „dass Hundefriseure in Wesel und Hamminkeln schon vier bis sechs Wochen im Voraus ausgebucht sind“. Ein eigener Hundesalon? Heute findet die 32-Jährige: „Keine schlechte Idee.“ Auch wenn das anfangs nur Plan B war.

Bestimmt 50 Bewerbungen habe sie geschrieben, erzählt Hanne Störmer, um in ihrem Job als Agrarwissenschaftlerin eine Stelle zu finden. Deutschlandweit, erfolglos. „Wir stellen Sie nicht ein, weil Sie beim Einstellungstest zu gut abgeschnitten haben“, lautete die Begründung für die meisten Absagen. Hanne Störmer sei schlichtweg „überqualifiziert“.

Erst ein Jahr nach dem Abschluss bekommt die junge Frau eine befristete Stelle bei der Stadtplanung in Hamminkeln. Zwei Jahre später ist sie wieder arbeitslos. „Da stand dann für mich fest, dass ich etwas komplett anderes machen will“, sagt Hanne Störmer. Nur was? Aus reinem Frust sei die Idee entstanden: „Ich werde Hundefriseur!“ Und Anfang September dann die Frage: „Warum eigentlich nicht?!“

Dann ging alles ganz schnell: Innerhalb weniger Wochen absolvierte Hanne Störmer ein Existenzgründungsseminar, schrieb einen Plan für ihre Geschäftsidee, besuchte eine Scherschule und richtete einen Raum in ihrem Haus für den Salon „Hundeschön“ her.

Knapp zwei Wochen nach der Eröffnung sitzen nun nicht mehr nur Versuchskaninchen Lucy, sondern auch die ersten richtigen „Kunden“ auf dem Frisiertisch. Zwischen 25 und 45 Euro kostet ein Haarschnitt – je nach Größe des Hundes.

Nervosität kann sich Hanne Störmer bei der Arbeit nicht erlauben: „Das merken die Hunde und werden unruhig.“ Am entspanntesten sei die tierische Kundschaft, wenn ihre Besitzer nicht dabei sind. „Das ist, wie wenn man mit Kindern zum Friseur geht: Sind die Eltern dabei, benehmen sie sich daneben.“ Ob Pudel, Mischling oder Dalmatiner, lange oder kurze Haare – „alle Hunde sind willkommen“, sagt Hanne Störmer.

Dabei passt sie selbst so gar nicht in ihr eigenes Klischee vom Hundefriseur: Ein Laden, „in den trutschige Omis ihr Schoßhündchen im Handtäschchen tragen und ihm ein Schleifchen ins Haar binden lassen“, sagt sie und lacht. Stattdessen möchte sich Hanne Störmer lieber selbst treu bleiben: „Ich sehe mich als Handwerker, der dazu beiträgt, dass die Hunde sich wohlfühlen, gesund und gepflegt sind.“

Gerade deshalb stehen rosagefärbte Pudellocken und lackierte Krallen in ihrem Salon nicht auf der Angebotsliste. „Das Lebewesen steht im Vordergrund, nicht die Kosmetik“, sagt Hanne Störmer und streicht Hündin Lucy mit kräftigen Händen über den Kopf. Ganz typisch für eine nicht ganz typische Friseuse eben.

FRISEUR FÜR HUNDE - Kurz und gepflegt

Hundefriseur – wer braucht denn sowas? Viel mehr Hunde, als man denkt, meint Hanne Störmer. Pudel etwa müssten alle acht Wochen die „Frisur“ nachgeschnitten bekommen. Und auch andere Schoßhunde, etwa Yorkshire Terrier, hätten normalerweise fast bodenlanges Haar. „Das ist auch im Winter unpraktisch, wenn sich Dreck darin verfängt und die Haare verfilzen“, sagt Hanne Störmer. Auch im Sommer sei kürzeres Fell eine Erleichterung für die Tiere. Infos unter www.hundeschön-wesel.de.

Zurück