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Die Zukunft lernt anders

just.bocholt
02.07.2011
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Wie wichtig sind Aus- und Fortbildung heute wirklich für den gesamten Karriereweg? Und was hat es mit dem „lebenslangen Lernen“ auf sich? Aktuelle Fragen an den Diplom-Kaufmann Peter Neuwald, Geschäftsführer der Bocholter Unternehmensberatung Bonadvisor und Mitinhaber des Instituts Gründungsoffensive (iNGO).

von Michael Jakoby

just.bocholt: Herr Neuwald, Sie sind Personalberater für gestandene Profis und Existenzgründercoach in einer Person – man könnte sagen, Sie überblicken Karrieren von Anfang bis Ende. Welche Rolle spielt heute das  ema Aus- und Fortbildung für den beruflichen Erfolg? Sind soziale Kompetenzen, Flexibilität oder andere Faktoren nicht doch wichtiger?

Peter NeuwaldPeter Neuwald: Jeder „gestandene“ Unternehmer hat einmal als Existenzgründer angefangen. Erfahrungsgemäß sind es seine persönlichen Eigenscha en, die sein Potenzial darstellen. Doch das allein reicht nicht aus, um sich in einer Umwelt zu behaupten, in der der Wandel das einzig Beständige ist. Daher werden die so genannten „soft skills“ erst voll wirksam, wenn man sich dem Thema Aus- und Fortbildung ganz offensiv in jedem Alter und Status stellt. Also nicht: „entweder – oder“, sondern eher „sowohl – als auch“.

Wie einfach oder schwierig ist es heutzutage, das nicht am Anfang des Berufswegs erworbene Wissen nachzuholen?

Gute Schulbildung bietet sicher eine solide Basis, doch im Laufe der Jahre lerne ich zunehmend, dass reine Wissensanhäufung – egal wann erworben – nicht ausreicht. Es geht viel mehr um eine praxisnahe Umsetzung vorhandener und erworbener Kompetenzen im Berufsleben. Etliche Biografien belegen, dass es zweitrangig ist, wann „der Groschen gefallen ist“: Hauptsache, er fällt! Dann wird so manches erreichbar, was zuvor unmöglich schien ...

Stichwort „lebenslanges Lernen“ – warum genügt es denn nicht mehr, gleich zu Anfang der Karriere ein hohes Level zu erreichen?

Ich denke, es hat nie wirklich genügt, am Anfang einer Karriere ein hohes Level zu erreichen, um sich dann gewissermaßen auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Es ist kein Geheimnis: Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein! Das menschliche Gehirn kann nur geschmeidig bleiben, wenn wir uns immer wieder neuen Herausforderung stellen – gerade in dieser dynamischen Zeit.

Angeblich verdoppelt sich doch das Wissen alle zwei, drei Jahre. Hat man denn da als Lernender eine reele Chance, mithalten zu können?

Es geht heute nicht mehr darum, Quantitäten an Wissen anzuhäufen – da wären wir in der Tat schon längst überfordert. Vielmehr geht es darum, die Qualität von Daten effizient einzuschätzen (Stichwort Datenmüll) und damit die Bedeutung für uns zu bewerten. Also eher ein Selektions- als ein Verarbeitungsproblem.

Und wie genau gewinnt man diese Fähigkeit, diese Einstellung, stets Neues aufnehmen zu wollen und zu können? Oder anders gefragt: Brauchen wir eher Motivationstrainer als Berufsberater?

Wenn es uns zunehmend gelingt, die für uns unwichtigen Informationen zu klassifizieren und zu filtern, dann folgt die Motivation quasi automatisch. Voraussetzung ist ein Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik, der uns zu dieser Unterscheidung befähigt.

Von der Einstellung war schon die Rede; was ist mit den Fähigkeiten? Wie wichtig ist die Kunst, Medien optimal nutzen zu können, für die eigene Bildung?

Die neuen Medien haben etliche Möglichkeiten geschaffen, Informationen effizient zu beschaffen und zu verarbeiten. Ganz anderes Lernverhalten etabliert sich. Wenn wir uns – egal welchen Alters – nicht mit der Weiterentwicklung dieser Optionen auseinandersetzen, bleiben wir am Ende als „Analphabeten des Informationszeitalters“ auf der Strecke!

Letzte Frage – haben Sie einen „heißen Tipp“ für Job-starter?

Ich kann Berufsstartern nur raten, sich den „Wunschbetrieb“ genau anzusehen. Wenn man weiß, welche Erwartungen man hat, können Gespräche mit Mitarbeitern, Praktika sowie Firmendarstellungen im Internet oder auf Printmedien helfen, eine Wahl zu treffen. Je eher man mit dieser Analyse beginnt, um so größer die Handlungsspielräume – auch falls der vermeintliche „Wunschbetrieb“ doch nicht die Erwartungen erfüllt. Wenn der Jobstarter den Eindruck hat, die richtige Wahl getroffen zu haben, kann er sein Potenzial optimal entwickeln.

Herr Neuwald, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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