Presse

"Würde es noch einmal so machen"

Bocholter Borkener Volksblatt
12.03.2011
Bocholter Borkener Volksblatt

Zwei Existenzgründerinnen ziehen nach einem Jahr Bilanz.

Von Ludwig van der Linde

BOCHOLT. Vor gut einem Jahr waren Christine Hülsevoort (55) und Sonja Hüls (38) noch recht unsicher. Nach dem Aus für das Bocholter Modeunternehmen Zaffiri entschieden sich die beiden Frauen für den Weg in die Selbstständigkeit, um nicht arbeitslos zu werden (das BBV berichtete). Zwölf Monate später wirken Hülsevoort und Hüls zufrieden und selbstbewusst. Das Fazit der Existenzgriinderinnen: "lch würde zu 100 Prozent alles noch einmal so machen“, sagen beide unisono.

Dabei waren die Geschäftsideen sehr unterschiedlich: Christine Hülsevoort blieb der Branche treu. Die 55-Jährige, die als ehemalige Store-Managerin mehrere Zaffiri-Filialen betreute, eröffnete am 11. März mit dem "Factory Store" einen Laden für Damenmoden und zwar in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Zaffiri-Direktverkaufes. "Die Resonanz war von Beginn an gut. Viele alte Kunden freuten sich einfach, dass es weiterging", sagt Hülsevoort. Die größte Umstellung für sie sei zunächst gewesen, selbst für den Einkauf der Ware verantwortlich zu sein und auch selbst den Verkaufspreis festzulegen, "Hier musste ich erst einige Erfahrungen sammeln", sagt die Chefin, die eine Volltagskraft und eine Mitarbeiterin auf 400-Euro-Basis beschäftigt.

Heute genieße sie es, eine große Vielfalt an Waren präsentieren und wesentlich flexibler auf Wünsche reagieren zu können als früher, als sie noch angestellt war. Mein Leitfaden ist heute der Kunde", sagt Hülsevoort. Die neue Aufgabe mache ihr Riesenspaß und es hänge viel Herzblut daran, auch wenn sie finanziell Abstriche machen müsse, allein schon wegen der zuvor getätigten Investitionen in das Ladenlokal: "Man kommt über die Runden. Reich werde ich mit meinem Geschäft aber nicht."

Sonja Hüls entschied sich bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit für den Dienstleistungssektor. Die 38-Jährige ehemalige Chefsekretärin gründete im April ihr Unternehmen "Aktiv & Entspannt". Seitdem bietet die ausgebildete Tanzlehrerin Tanz- und Fitnessunterricht an - hier vor allem den Modetrend "Zumba" - und arbeitet nach dem Abschluss einer Zusatzausbildung als Entspannungspädagogin. Hier möchte sie künftig verstärkt für Firmenmitarbeiter Kurse im Stress- und Gesundheitsmanagement geben. „Die Zumba-Kurse machen noch einen Großteil meiner Arbeit aus, aber auf Dauer möchte ich das zweite Standbein ausbauen", sagt Hüls. Finanziell komme auch sie über die Runden "Es entwickelt sich langsam", sagt Hüls.

Peter Neuwald, Leiter des Instituts Gründungsoffensive, beriet die beiden Frauen bei ihrem Sprung in die Selbstständigkeit. Für Hüls ist er auch jetzt noch als Berater tätig. "Es freut mich natürlich, dass beide so gut Fuß gefasst haben", sagt Neuwald. Überrascht von dieser Entwicklung sei er aber nicht. Beide hätten damals schon in den ersten Gesprächen angedeutet, dass sie Unternehmerqualitäten hätten. Leider blieben von den vielen Existenzgründern aber nur 30 bis 40 Prozent nachhaltig auf dem Markt. "Die anderen sind Luftblasen, weil hinter ihren ldeen oft zu wenig Substanz und Eigeninitiative steckt."

Initiative gefordert

Für Peter Neuwald ist die Existenzgründung eine "ernst zu nehmende Alternative" zur Arbeitslosigkeit. Allerdings müsse der- oder diejenige auch von Anfang an begreifen, dass man nun "Mädchen für alles" sei und sich als Selbstständiger selbst um alles kümmern müsse. "Man bekommt Probleme, wenn man seine Sichtweise nicht ändert, und die frühere Arbeitnehmereinstellung, bei der Eigeninitiative eventuell sogar unerwünscht. war, bei behält."

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